Altersvorsorgedepot Anbieter: Wer bietet es ab 2027 an? (Stand August 2026)

Altersvorsorgedepot Anbieter: Wer bietet es ab 2027 an? (Stand August 2026)


Das Altersvorsorgedepot startet am 1. Januar 2027 — aber bei welchem Anbieter? Wer die Berichterstattung verfolgt, bekommt schnell den Eindruck, das Rennen sei bereits gelaufen und die Neobroker hätten es gewonnen. Dieser Eindruck täuscht.

Anbieter können laut Gesetz Banken, Neobroker, Fondsgesellschaften und Versicherungsunternehmen sein. Die gesamte Finanzbranche arbeitet daran — nur mit sehr unterschiedlicher Lautstärke.

Wichtiger Hinweis vorab: Dieser Artikel zeigt den Stand August 2026. Weil die Zertifizierung der Anbieterprodukte durch das Bundeszentralamt für Steuern erst im Herbst 2026 beginnt, sind alle folgenden Angaben Absichtserklärungen — keine verbindlichen Angebote.

Die Neobroker: laut angekündigt, schmal aufgestellt

Trade Republic hat einen Start zum ersten Quartal 2027 aktiv angekündigt. Der CEO bezeichnete das Altersvorsorgedepot öffentlich als „genau das, wofür wir Trade Republic gegründet haben” — geplant ist nach eigener Aussage ein kostenloses Angebot.

Scalable Capital hat ebenfalls einen Start zum ersten Quartal 2027 angekündigt: Standarddepot gebührenfrei, ETF-Kosten gedeckelt bei 0,15 % p.a. (im Startjahr 0 %), dazu ein Wechselservice für bestehende Riester-Verträge.

Beide Häuser beherrschen die Klaviatur der öffentlichen Aufmerksamkeit deutlich besser als klassische Versicherer — ein Nulltarif ist eine Schlagzeile, ein Garantiemodell nicht. Der Vorsprung, den sie derzeit haben, ist ein Kommunikationsvorsprung, kein bewiesener Produktvorsprung.

Denn ihr Schwerpunkt liegt auf der garantielosen Depotvariante mit maximaler Aktienquote. Das ist eine legitime Bauform — aber eben nur eine von drei gesetzlich vorgesehenen.

Die Versicherer: alle drei Produktkategorien

Allianz Leben hat gemeinsam mit Allianz Global Investors angekündigt, zum 1.1.2027 Angebote in allen gesetzlich vorgesehenen Produktkategorien zu stellen: das staatliche Standardprodukt, das freie Altersvorsorgedepot ohne Garantie sowie einen Altersvorsorgevertrag mit 80-%-Beitragsgarantie auf Basis der fondsgebundenen Rentenversicherung InvestFlex. Ein Förderindikationsrechner ist bereits online.

ERGO plant ebenfalls alle drei Varianten und stellt vorab einen Zulagenrechner bereit.

Der Unterschied zur Broker-Logik ist substanziell: Versicherer bringen die Verrentungskomponente mit — also die Option, aus dem angesparten Kapital eine lebenslange Rente mit garantiertem Rentenfaktor zu machen. Ein Depot allein leistet das nicht; es liefert im Alter einen Kapitalstock, aus dem entnommen werden muss. Welche Auszahlungsformen das Gesetz erlaubt, steht im Detail im Artikel zu den Auszahlungsoptionen des Altersvorsorgedepots.

Die Fondsgesellschaften: über Banken und Vermittler in den Markt

Union Investment hat drei Produkte unter dem Label UniVorsorge angekündigt — eine ETF-Variante ohne Garantie, eine mit aktivem Fondsmanagement und eine mit Beitragsgarantie. Vertrieben werden sie ab 2027 exklusiv über die genossenschaftlichen Banken, Ausgabeaufschläge entfallen.

DWS kommt mit dem Xtrackers-Angebot über die Filialen der Deutschen Bank in den Markt. Fidelity International plant zum 1.1.2027 ein Premium-Produkt mit aktiven ETFs und ein Standardprodukt mit Indexfonds, jeweils mit lebensphasenabhängiger Gleitpfad-Strategie. Franklin Templeton geht über Partnerschaften, unter anderem mit Finanzguru. Growney setzt auf Vanguard-Portfolios und bietet eine White-Label-Lösung für Vermittler an.

Auffällig: Ein erheblicher Teil des Marktes wird gar nicht direkt beim Anbieter abgeschlossen, sondern über Banken, Makler und Vertriebe.

Die Banken: in Vorbereitung

ING Deutschland bereitet ein Angebot vor, geplanter Start im ersten bis zweiten Quartal 2027, konkrete Gebühren wurden bislang nicht kommuniziert. DKB zielt auf das zweite Quartal 2027, ebenfalls ohne genannte Konditionen. Comdirect/Commerzbank hat allgemeines Interesse geäußert, ohne Zeitplan.

Die Vertriebs- und Beratungsschiene

Parallel zu den Produktanbietern bereiten sich Finanzvertriebe und Maklerhäuser — etwa DVAG, MLP, Swiss Life Select, OVB oder tecis — auf die Reform vor und informieren ihre Kunden bereits über die drei Produktarten und die Förderlogik.

Das ist mehr als Marketing: Für die meisten Menschen ist die Frage nicht „welches Depot”, sondern „welche Kombination”. Ein Altersvorsorgedepot ersetzt weder eine bestehende Riester-Zulagenförderung noch eine betriebliche Altersvorsorge noch eine fondsgebundene Privatrente — es tritt daneben. Diese Abwägung ist ohne Blick auf Steuersituation, Familienstand, Anlagehorizont und bestehende Verträge nicht seriös zu treffen, und genau deshalb wird ein Großteil der Verträge 2027 beraten und nicht selbst zusammengeklickt werden.

Warum „kostenlos” nicht „am besten” heißt

Ein gebührenfreies Depot ist ein starkes Argument — aber Kosten sind eine von mindestens fünf Dimensionen:

  • Garantie: keine, 80 % oder 100 % Beitragsgarantie — je näher die Rente, desto relevanter
  • Verrentung: Kapitalauszahlung und Entnahmeplan oder lebenslange Rente mit garantiertem Rentenfaktor
  • Fondsauswahl: zwei vorgegebene Fonds im Standardprodukt oder freie Auswahl im Depot
  • Beratung: Selbstentscheidung oder begleitete Auswahl inklusive Einbettung in die Gesamtvorsorge
  • Kosten: Depotgebühr, Fondskosten (TER), Abschlusskosten — und der Kostendeckel von 1,0 % p.a. beim Standardprodukt

Wie sich diese Kostenbestandteile im Detail zusammensetzen, steht im Artikel zu den Kosten des Standardprodukts. Welche dieser Dimensionen für dich am schwersten wiegt, hängt von deinem Alter, deinem Einkommen und deiner bestehenden Vorsorge ab — das lässt sich pauschal nicht beantworten und gehört in ein Beratungsgespräch.

Warum noch nichts final ist

Das pAV-Reformgesetz ist seit dem 8. Mai 2026 endgültig verabschiedet — die Details dazu stehen im Grundlagenartikel. Offen ist noch die Rechtsverordnung, die die genaue Ausgestaltung des staatlichen Standardprodukts regelt, unter anderem den Kostendeckel von maximal 1,0 % p.a.

Erst wenn diese steht und die Zertifizierung im Herbst 2026 läuft, werden aus Absichtserklärungen bindende Konditionen. Bis dahin gilt: Wer heute die lautesten Zahlen nennt, hat nicht zwangsläufig das beste Produkt — sondern das beste Marketing-Timing.

Was das für dich jetzt bedeutet

Ein Vertrag lässt sich frühestens ab dem 1.1.2027 abschließen. Sinnvoll ist es, die Entwicklung im Herbst und Winter 2026 zu beobachten und die Auswahl in zwei Schritten anzugehen: erst die Produktkategorie (mit oder ohne Garantie, mit oder ohne Verrentungsoption), dann den Anbieter innerhalb dieser Kategorie.

Wer schon jetzt sparen will, kann das über einen normalen ETF-Sparplan tun und später ins geförderte System wechseln — wie sich Altersvorsorgedepot und freier ETF-Sparplan grundsätzlich unterscheiden, zeigt der Vergleichsartikel.

Was die neue Förderung in deinem Fall konkret bringt — und ob sich ein bestehender Riester-Vertrag dagegen behauptet — rechnest du im Altersvorsorgedepot-Rechner durch.

Fazit

Trade Republic und Scalable Capital sind am lautesten, nicht automatisch am besten. Versicherer wie Allianz und ERGO decken das gesamte Produktspektrum inklusive Garantie und Verrentung ab, Fondsgesellschaften wie Union Investment, DWS und Fidelity kommen über Banken und Vermittler, die Direktbanken folgen.

Bindend ist bislang nichts — die eigentliche Vergleichsbasis entsteht erst mit der Zertifizierung im Herbst 2026. Welche Kombination aus gefördertem Depot, bestehenden Verträgen und ergänzenden Bausteinen für dich sinnvoll ist, hängt von Steuersituation, Einkommen und Anlagehorizont ab — ein Gespräch mit einem Finanzberater hilft, das auf die eigene Situation zuzuschneiden. Dieser Artikel wird aktualisiert, sobald sich der Stand ändert.


Dieser Artikel dient der allgemeinen Finanzbildung und stellt keine individuelle Anlage- oder Finanzberatung dar. Er gibt den Informationsstand von August 2026 wieder; die genannten Anbieterangaben sind unverbindliche Absichtserklärungen und können sich bis zum Start am 1.1.2027 noch ändern. Für eine persönliche Beratung wende dich an einen zugelassenen Finanzberater.

Häufige Fragen

Bieten nur Neobroker das Altersvorsorgedepot an?

Nein. Anbieter können laut Gesetz Banken, Neobroker, Fondsgesellschaften und Versicherungsunternehmen sein. Trade Republic und Scalable Capital sind lediglich am schnellsten und lautesten mit Ankündigungen gewesen. Allianz und ERGO planen Angebote in allen drei gesetzlichen Produktkategorien, Union Investment kommt über die Genossenschaftsbanken, DWS über die Deutsche Bank, Fidelity und Franklin Templeton über eigene und Partner-Plattformen.

Ist das günstigste Angebot automatisch das beste?

Nein. Gebühren sind eine von mehreren Dimensionen. Ebenso relevant sind die Frage, ob eine Beitragsgarantie enthalten ist, wie die spätere Verrentung geregelt ist, welche Fonds zur Auswahl stehen und ob Beratung Teil des Angebots ist. Ein gebührenfreies Depot ohne Garantie ist für einen 25-Jährigen mit 40 Jahren Anlagehorizont etwas anderes als für jemanden mit 15 Jahren bis zur Rente.

Welche Anbieter bieten das Altersvorsorgedepot definitiv an?

Am weitesten fortgeschritten sind Trade Republic und Scalable Capital mit angekündigtem Start im ersten Quartal 2027 sowie Allianz, ERGO und Union Investment mit Produktankündigungen zum 1.1.2027. ING und DKB befinden sich in Vorbereitung mit Zielstart im ersten bis zweiten Quartal 2027. Bindend wird keine dieser Ankündigungen vor Abschluss der Zertifizierung durch das Bundeszentralamt für Steuern.

Sind die genannten Konditionen schon verbindlich?

Nein. Alle bisherigen Aussagen zu Kosten und Ausgestaltung sind Absichtserklärungen der Anbieter, keine verbindlichen Angebote. Der rechtliche Rahmen für das staatliche Standardprodukt wird über eine Rechtsverordnung im Laufe des Jahres 2026 konkretisiert, die Zertifizierung einzelner Anbieterprodukte startet im Herbst 2026. Erst danach werden aus Ankündigungen bindende Vertragskonditionen.

Sollte ich jetzt schon einen Anbieter auswählen?

Dafür ist es noch zu früh — Verträge lassen sich erst ab dem offiziellen Start am 1.1.2027 abschließen, und die konkreten Konditionen vieler Anbieter stehen noch nicht fest. Sinnvoller ist es, die Entwicklung bis Herbst/Winter 2026 zu beobachten, wenn nach der Zertifizierung verbindliche Angebote vorliegen, und die Produktkategorie erst danach mit einem Berater auf die eigene Situation zuzuschneiden.

Quellen

  1. Gesetz zur Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge (pAV-Reformgesetz) , Deutscher Bundestag / Bundesrat (2026)
  2. Altersvorsorgedepot: Allianz plant Angebot für alle Produktkategorien , AssCompact (2026)
  3. Altersvorsorgedepot-Produkte im Überblick , DAS INVESTMENT (2026)