Rentenlücke berechnen: So findest du heraus, wie groß deine Lücke ist

Rentenlücke berechnen: So findest du heraus, wie groß deine Lücke ist


“Du hast eine Rentenlücke” — das hört man oft. Aber was das konkret bedeutet und wie groß sie bei dir ist, bleibt meistens vage. Dabei ist die Rentenlücke der wichtigste Ausgangspunkt für jede Altersvorsorge-Entscheidung.

Was ist die Rentenlücke?

Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen deinem gewünschten Lebensstandard im Alter und dem, was die gesetzliche Rente tatsächlich zahlt.

Formel: Rentenlücke = Nettobedarf im Alter – gesetzliche Nettorente (– weitere Einnahmen)

Klingt einfach. Die Schwierigkeit: Beide Seiten der Gleichung sind unsicher.

Schritt 1: Nettobedarf im Alter schätzen

Faustregel: 70–80 % deines letzten Nettoeinkommens. Manche Kosten fallen weg (Berufskleidung, Fahrten), andere steigen (Gesundheit, Freizeit). 80 % ist ein realistischer Ausgangspunkt.

Beispiel: Nettoeinkommen heute 2.500 Euro → Zielbedarf im Alter: 2.000 Euro/Monat.

Schritt 2: Gesetzliche Rente ermitteln

Deine Renteninformation (jährlich per Post oder digital über die DRV-App) zeigt dir:

  • Aktuelle Rentenanwartschaft (bei heutigem Stand)
  • Hochrechnung bei unverändertem Verlauf bis 67

Wichtig: Diese Zahlen sind in heutigen Euro, vor Inflation und Steuer. Die tatsächliche Nettorente im Alter wird geringer sein, weil Renten zunehmend besteuert werden. Wie Renten besteuert werden, erklärt dieser Artikel.

Beispiel: Renteninformation zeigt 1.400 Euro → Netto nach Steuern und Beiträgen zur Kranken-/Pflegeversicherung: ca. 1.100–1.200 Euro.

Schritt 3: Lücke berechnen

Zielbedarf (2.000 €) – Nettorente (1.150 €) = Rentenlücke: 850 Euro/Monat

Das klingt nach viel. Ist es auch. Und es wird für Berufseinsteiger oft noch größer:

Schritt 4: Wie viel Kapital brauchst du?

Wenn du 850 Euro/Monat aus privatem Kapital entnehmen möchtest (bei 3 % Entnahmerate):

850 € × 12 / 0,03 = 340.000 Euro notwendiges Privatvermögen

Das ist die Zahl, die du bis zum Renteneintritt aufgebaut haben solltest — zusätzlich zu dem, was Riester, bAV oder Rürup liefern.

Schritt 5: Was musst du monatlich sparen?

Wie viel du monatlich anlegen musst, hängt von Zeit, Renditeerwartung und Startkapital ab. Als Orientierung bei 7 % Rendite und 35 Jahren Ansparzeit:

Ziel 340.000 Euro → ca. 230–270 Euro/Monat bei 7 % Rendite über 35 Jahre.

Das ist machbar — aber nur, wenn man früh anfängt. Wer 10 Jahre später beginnt, braucht fast doppelt so viel pro Monat.

Was die Berechnung nicht leistet

Diese Überschlagsrechnung zeigt dir die Größenordnung — mehr nicht. Sie berücksichtigt nicht:

  • Staatlich geförderte Produkte (Riester, Rürup, bAV) und ihre Steuervorteile
  • Deine individuelle Steuersituation im Alter
  • Immobilien oder Erbschaften
  • Rentenwertveränderungen durch Rentenreformen

Welche Kombination aus gesetzlicher Rente, betrieblicher Altersvorsorge und privaten Ersparnissen für dich optimal ist, lässt sich pauschal nicht sagen — das hängt von zu vielen individuellen Faktoren ab. Ein Beratungsgespräch hilft, das realistisch durchzurechnen.

Fazit

Deine Rentenlücke zu kennen ist der erste Schritt. Die schlechte Nachricht: Sie ist bei Berufseinsteigern fast immer größer als gedacht. Die gute Nachricht: Zeit ist der mächtigste Hebel — wer früh anfängt, muss wenig einzahlen, um viel zu erreichen.


Dieser Artikel dient der allgemeinen Finanzbildung und stellt keine individuelle Anlage- oder Finanzberatung dar. Für eine persönliche Beratung wende dich an einen zugelassenen Finanzberater.

Häufige Fragen

Wie berechne ich meine Rentenlücke?

Formel: Nettobedarf im Alter (70–80 % des heutigen Nettos) minus gesetzliche Nettorente minus sonstige Einnahmen. Die Nettorente entnimmst du deiner jährlichen Renteninformation — beachte: dort stehen Brutto-Werte in heutigen Euro vor Inflation und Steuer.

Wie viel Kapital brauche ich, um meine Rentenlücke zu schließen?

Bei einer Entnahmerate von 3 % pro Jahr entsprechen 850 €/Monat Lücke rund 340.000 € Kapital. Formel: monatliche Lücke × 12 / Entnahmerate. Bei 4 % Entnahmerate läge der Kapitalbedarf bei rund 255.000 €.

Wie viel muss ich monatlich sparen, um 340.000 € bis zur Rente zu erreichen?

Bei 7 % durchschnittlicher Rendite und 35 Jahren Ansparzeit reichen rund 230–270 € monatlich. Wer 10 Jahre später beginnt, muss fast doppelt so viel einzahlen — der Zinseszinseffekt wirkt massiv zugunsten früher Sparer.

Was zeigt meine Renteninformation der DRV?

Die jährlich versendete Renteninformation zeigt deine aktuelle Rentenanwartschaft (Stand heute) und die Hochrechnung bis zum regulären Rentenalter bei unverändertem Verlauf. Beide Werte sind in heutigen Euro vor Inflation, Steuer und Kranken-/Pflegeversicherungsbeiträgen.

Warum ist die Rentenlücke bei Berufseinsteigern besonders groß?

Kürzere Einzahlzeiten, mögliche Teilzeitphasen mit weniger Rentenpunkten, sowie die zunehmende Besteuerung von Renten erhöhen die Lücke. Gleichzeitig frisst Inflation die Kaufkraft — wer heute 850 € Lücke errechnet, braucht in 35 Jahren nominal deutlich mehr.

Quellen

  1. Renteninformation und Rentenauskunft , Deutsche Rentenversicherung Bund (2025)
  2. Rentenniveau und Rentenanpassung Deutschland , Deutsche Rentenversicherung Bund (2025)
  3. Alterssicherungsbericht der Bundesregierung , Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) (2024)