ETF-Kurseinbruch: Was tun — und was man auf keinen Fall tun sollte

ETF-Kurseinbruch: Was tun — und was man auf keinen Fall tun sollte


Der MSCI World fällt um 25 %. Dein Depot, das du über 3 Jahre aufgebaut hast, hat innerhalb von Wochen ein Viertel seines Wertes verloren. Was machst du?

Diese Situation ist keine Ausnahme — sie ist ein vorhersehbarer Teil langfristiger Geldanlage. Wer das vorher weiß, handelt in der Krise besser.

Was historisch passiert ist

Der MSCI World hat seit seiner Gründung mehrere große Einbrüche erlebt:

KriseEinbruchErholung
Dotcom-Blase 2000–2003ca. -50 %ca. 5–6 Jahre
Finanzkrise 2008–2009ca. -54 %ca. 4 Jahre
Corona-Crash 2020ca. -34 %ca. 5 Monate

Das Muster: Einbrüche kommen, manchmal dramatisch. Aber der MSCI World hat sich nach jedem Einbruch erholt — und neue Hochs erreicht.

Wer 2008 auf dem Tiefpunkt verkauft hat, hat seinen Verlust realisiert. Wer gehalten hat, war 2013 wieder im Plus.

Der teuerste Fehler: Verkaufen im Tief

Wenn Kurse fallen, fühlt sich Halten falsch an. Das Gehirn sagt: “Retten, was zu retten ist.” Aber Verkaufen auf dem Tiefpunkt ist der schlechteste Zeitpunkt überhaupt.

Wer 2020 auf dem Corona-Tief verkauft hat, hat nicht nur den Einbruch realisiert — er hat auch die schnellste Erholung in der Geschichte des MSCI World verpasst.

Die einzige Zeit, zu der du verkaufen solltest: Wenn du das Geld wirklich brauchst. Deshalb gilt: Investiere nur Geld, das du 10+ Jahre nicht brauchst.

Was man stattdessen tun sollte

Sparplan weiterlaufen lassen: Im Einbruch kaufst du mehr Anteile für dasselbe Geld — der Cost-Average-Effekt wirkt am stärksten in fallenden Märkten.

Nichts tun: Für Langfristanleger ist Inaktivität in Krisen oft die profitabelste Entscheidung.

Nachkaufen, wenn Liquidität vorhanden: Wer einen Notgroschen hat und zusätzlich investieren kann, kauft auf Rabatt.

Nachschauen, wie lange du noch Zeit hast: 30 Jahre bis zur Rente? Kurseinbrüche heute sind statistisch irrelevant für dein Endvermögen.

Warum viele trotzdem verkaufen

Behavioral Finance erklärt es: Verluste schmerzen ca. doppelt so stark wie gleich große Gewinne sich gut anfühlen. Das ist evolutionär sinnvoll — für Geldanlage ist es kontraproduktiv.

Die Lösung: Die eigene Reaktion antizipieren. Vor dem ersten Investment fragen: “Wie verhalte ich mich, wenn 30 % weg sind?” Wenn die Antwort “verkaufen” ist — Aktienquote senken, bevor der Einbruch kommt.

Was nicht hilft

  • Täglich ins Depot schauen: Erhöht Stresslevel, verändert langfristiges Ergebnis nicht
  • Wirtschaftsnachrichten folgen: Journalisten dramatisieren — Märkte erholen sich trotzdem
  • Auf “den perfekten Wiedereinstieg” warten: Niemand trifft den Boden exakt

Fazit

Kurseinbrüche sind der Preis, den man für die langfristig höheren Renditen von Aktien-ETFs zahlt. Wer das akzeptiert, nicht verkauft und den Sparplan weiterführt, trifft statistisch bessere Entscheidungen als die meisten anderen Anleger. Das klingt einfach — ist es psychologisch aber nicht.


Dieser Artikel dient der allgemeinen Finanzbildung und stellt keine individuelle Anlage- oder Finanzberatung dar. Für eine persönliche Beratung wende dich an einen zugelassenen Finanzberater.

Häufige Fragen

Soll ich bei einem Kurseinbruch meinen ETF verkaufen?

Nein, außer du brauchst das Geld wirklich. Verkaufen im Tief realisiert den Verlust und verpasst die Erholung. Der MSCI World hat nach jedem historischen Einbruch neue Höchststände erreicht: Nach der Finanzkrise 2008–2009 (-54 %) dauerte die Erholung rund 4 Jahre, nach dem Corona-Crash 2020 (-34 %) nur 5 Monate. Wer investiert bleibt, profitiert statistisch — wer verkauft, macht den Verlust endgültig.

Wie lange dauert es, bis sich der Markt erholt?

Historisch sehr unterschiedlich: Corona-Crash 2020: rund 5 Monate. Finanzkrise 2008: rund 4 Jahre. Dotcom-Blase 2000: 5–6 Jahre (MSCI World). Wichtig: Erholungsphasen sind unvorhersehbar und laufen oft schnell in kurzen Zeiträumen — wer bei der Erholung nicht investiert ist, verpasst die renditestärksten Tage. J.P. Morgan Studien zeigen: 10 verpasste Spitzentage senken die Gesamtrendite erheblich.

Sollte ich meinen Sparplan bei fallenden Kursen pausieren?

Nein, im Gegenteil. Der Cost-Average-Effekt wirkt am stärksten in fallenden Märkten — du kaufst für dieselbe Sparrate mehr Anteile, senkst also den durchschnittlichen Einstiegskurs. Wer 2020 den Sparplan während des Corona-Crashs weiterlaufen ließ, profitierte überproportional von der schnellen Erholung. Pausieren ist psychologisch verständlich, rechnerisch aber kontraproduktiv.

Lohnt es sich, bei einem Kurseinbruch nachzukaufen?

Ja, wenn Liquidität über den Notgroschen hinaus vorhanden ist. Historisch sind Nachkäufe in Bärenmärkten renditestark — man kauft zu reduzierten Kursen. Voraussetzung: Ein Anlagehorizont von 10+ Jahren und ausreichend Notgroschen (3–6 Monatsausgaben), damit man nicht in der nächsten Krise zum Verkauf gezwungen wird. Market-Timing auf den exakten Boden funktioniert nicht — ein Einstieg in der Phase reicht.

Warum fällt es psychologisch so schwer, bei Einbrüchen zu halten?

Prospect Theory (Kahneman/Tversky 1979, Nobelpreis 2002): Verluste werden ungefähr doppelt so stark empfunden wie gleich große Gewinne. Das Gehirn ist evolutionär auf Verlustvermeidung programmiert — in der Geldanlage ist das kontraproduktiv. Gegenmittel: Vor dem Investment die eigene Reaktion antizipieren, Aktienquote passend zur Risikotragfähigkeit wählen, nicht täglich ins Depot schauen.

Quellen

  1. MSCI World Index — Historische Rückgänge und Erholungen , MSCI Inc. (2024)
  2. Prospect Theory: An Analysis of Decision under Risk , Daniel Kahneman & Amos Tversky, Econometrica (1979)
  3. Guide to the Markets — Importance of Staying Invested , J.P. Morgan Asset Management (2024)