ALG1-Rechner 2026: Wie viel Arbeitslosengeld bekomme ich?
Das Arbeitslosengeld 1 ist eine Versicherungsleistung — keine Sozialhilfe. Wer in den letzten 30 Monaten mindestens 12 Monate sozialversicherungspflichtig gearbeitet hat, hat einen Anspruch. Wie hoch dieser Anspruch ausfällt, hängt von drei Faktoren ab: Bruttoeinkommen der letzten 12 Monate, Steuerklasse und Anzahl der Kinder.
Wie wird ALG1 berechnet?
Die Berechnung läuft in vier Schritten. Vereinfacht:
- Bemessungsentgelt: Brutto-Durchschnitt der letzten 12 Monate vor Arbeitslosigkeit, hochgerechnet auf einen Tageswert (Bruttoentgelt × 12 ÷ 365)
- Leistungsentgelt: Vom Bemessungsentgelt werden pauschal abgezogen: Lohnsteuer nach Steuerklasse, Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer (falls eingetragen), 21 % Sozialversicherungspauschale
- Leistungssatz: 60 % vom Leistungsentgelt (ohne Kind) bzw. 67 % (mit Kind)
- Auszahlung: Tageswert × 30 = monatliches ALG1
Wichtig: Die 21 %-Sozialversicherungspauschale wird unabhängig vom tatsächlichen Sozialversicherungsbeitrag angesetzt. Bei niedrigem Einkommen wird also mehr abgezogen, als tatsächlich gezahlt wurde — das reduziert das ALG1.
ALG1-Tabelle 2026: Brutto zu Auszahlung
Die folgende Tabelle zeigt das voraussichtliche monatliche ALG1 für die Lohnsteuerklasse 1 (alleinstehend, kein Kind) und Steuerklasse 3 (verheiratet, Hauptverdiener). Werte gerundet auf 10 €.
| Brutto/Monat | Stkl. 1 ohne Kind | Stkl. 1 mit Kind | Stkl. 3 ohne Kind | Stkl. 3 mit Kind |
|---|---|---|---|---|
| 2.000 € | 870 € | 970 € | 1.020 € | 1.140 € |
| 2.500 € | 1.060 € | 1.180 € | 1.220 € | 1.360 € |
| 3.000 € | 1.230 € | 1.370 € | 1.420 € | 1.580 € |
| 3.500 € | 1.400 € | 1.560 € | 1.610 € | 1.800 € |
| 4.000 € | 1.570 € | 1.750 € | 1.790 € | 2.000 € |
| 5.000 € | 1.870 € | 2.090 € | 2.140 € | 2.390 € |
| 6.000 € | 2.130 € | 2.380 € | 2.430 € | 2.710 € |
| 7.000 € | 2.300 € | 2.570 € | 2.620 € | 2.920 € |
| 8.000 € (BBG) | 2.400 € | 2.680 € | 2.720 € | 3.040 € |
Werte sind Näherungen auf Basis der voraussichtlichen Rechengrößen 2026. Die Bundesagentur für Arbeit bietet auf ihrer Website einen offiziellen Rechner für die exakte Berechnung.
Was beeinflusst die ALG1-Höhe?
Steuerklasse: Hauptverdiener-Ehegatten sollten prüfen, ob ein Wechsel zu Steuerklasse 3 das ALG1 deutlich erhöhen würde. Wichtig: Die Bundesagentur stützt sich auf die zum 1. Januar des Vorjahres der Arbeitslosigkeit eingetragene Steuerklasse. Ein kurzfristiger Wechsel kurz vor der Arbeitslosigkeit wirkt nicht mehr.
Kindergeldberechtigung: Wer mindestens ein kindergeldberechtigtes Kind hat (auch über Ehepartner), bekommt 67 % statt 60 %. Der Eintrag der “halben Kinderfreibeträge” auf der Lohnsteuerkarte ist Voraussetzung.
Beitragsbemessungsgrenze: Wer brutto über der Beitragsbemessungsgrenze der Arbeitslosenversicherung (2026 voraussichtlich 8.050 € West / 7.900 € Ost) verdient, profitiert nicht weiter. Das ALG1 ist nach oben gedeckelt.
Einmalzahlungen: Urlaubs- und Weihnachtsgeld der letzten 12 Monate fließen in die Berechnung ein — sie erhöhen das Bemessungsentgelt.
Sonstige Bezüge: Boni, Provisionen und Zulagen aus den letzten 12 Monaten zählen mit, sofern sie sozialversicherungspflichtig waren. Steuerfreie Zuschläge (z. B. Sonntagsarbeit nach § 3b EStG) zählen nicht.
Wann gibt es das maximale ALG1?
Maximales ALG1 erhält, wer in den letzten 12 Monaten durchgehend über der Beitragsbemessungsgrenze verdient hat. Konkret: rund 8.050 € brutto im Monat (West) oder mehr. In der Praxis erreichen das vor allem Spezialisten und Führungskräfte.
Wer als Berufseinsteiger in Münster mit 3.000 bis 4.000 € brutto startet, bekommt im Fall der Arbeitslosigkeit etwa 1.230 € bis 1.570 € ALG1 — bei Lohnsteuerklasse 1. Das deckt in einer 1-Zimmer-Wohnung in zentraler Lage die Miete und vielleicht 400 € Lebenshaltung. Mehr nicht.
Was ALG1 nicht ist
Das ALG1 ersetzt das Brutto nicht. Es ersetzt das pauschalierte Netto — und auch das nicht vollständig. Zwischen 30 % und 45 % des Bruttogehalts fehlen im Vergleich zum bisherigen Lebensstandard. Das ist relevant für:
- Wohnkosten: Miete bleibt unverändert, das Einkommen sinkt erheblich
- Laufende Verträge: Versicherungen, Streamingdienste, Fitnessstudio
- Sparpläne: Altersvorsorge und Vermögensaufbau pausieren oft, was Rendite kostet
Die Liquiditätsreserve sollte deshalb so dimensioniert sein, dass sie auch nach einem Sprung von Brutto auf ALG1 noch mindestens drei Monate trägt. Mehr dazu im Artikel zur Liquiditätsreserve. Wie lange das ALG1 gezahlt wird, zeigt die Bezugsdauer-Tabelle nach Alter und Versicherungszeit — Anspruchsvoraussetzungen und Sperrzeit-Fallen stehen im Überblicksartikel.
Fazit
Das ALG1 liegt 2026 für die meisten Berufstätigen zwischen 40 % und 50 % des Bruttogehalts. Wer die genaue Höhe wissen will, nutzt den offiziellen Rechner der Bundesagentur für Arbeit — oder rechnet mit der Faustformel: 60 % vom Netto ohne Kind, 67 % mit Kind, gedeckelt durch die Beitragsbemessungsgrenze.
Wer schon einmal hochgerechnet hat, was im Fall einer Arbeitslosigkeit konkret bleibt, versteht den Wert einer Liquiditätsreserve und einer Berufsunfähigkeitsversicherung anders. Die ALG1-Auszahlung deckt das Existenzminimum — aber selten den gewohnten Lebensstandard. Wie groß diese Lücke für deine Situation ist und welche Absicherung dazu passt, lässt sich ohne individuelle Betrachtung nicht beantworten. Ein Gespräch mit einem Finanzberater, der deine Gesamtsituation kennt, klärt das.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Finanzbildung und stellt keine individuelle Anlage- oder Finanzberatung dar. Für eine persönliche Beratung wende dich an einen zugelassenen Finanzberater.
Häufige Fragen
Wie viel ALG1 bekomme ich bei 3.000 € brutto?
Bei einem Bruttogehalt von 3.000 €, Steuerklasse 1 ohne Kind, liegt das ALG1 2026 bei rund 1.230 € pro Monat. Mit Kind (Erhöhungssatz 67 %) sind es rund 1.370 €.
Wie wird das Leistungsentgelt berechnet?
Vom Brutto-Bemessungsentgelt (Durchschnitt der letzten 12 Monate) wird pauschal die Lohnsteuer nach der eingetragenen Steuerklasse und ein Sozialversicherungsanteil von 21 % abgezogen. Das Ergebnis ist das Leistungsentgelt. 60 % bzw. 67 % davon ergibt das tägliche ALG1.
Welche Steuerklasse ist beim ALG1 am günstigsten?
Steuerklasse 3 führt zum höchsten Nettoentgelt und damit zum höchsten ALG1. Verheiratete sollten vor der Antragstellung prüfen, ob ein Steuerklassenwechsel sinnvoll ist — er muss aber zum 1. Januar des Jahres vor der Arbeitslosigkeit erfolgen, sonst greift die Bundesagentur für Arbeit auf die zum 1.1. eingetragene Klasse zurück.
Gibt es eine ALG1-Obergrenze?
Ja. Das Bemessungsentgelt ist auf die Beitragsbemessungsgrenze der Arbeitslosenversicherung gedeckelt — 2026 voraussichtlich 8.050 € im Monat in den alten Bundesländern. Daraus ergibt sich ein maximales ALG1 von rund 2.400 € (West, ohne Kind) bzw. 2.700 € (West, mit Kind).
Gibt es einen ALG1-Mindestsatz?
Nein. Das ALG1 hat keinen Mindestbetrag — es richtet sich strikt nach dem vorherigen Verdienst (60 bzw. 67 % des pauschalierten Nettoentgelts). Wer aus einem niedrigen Einkommen kommt, erhält entsprechend wenig. Reicht das ALG1 nicht zum Leben, kann ergänzend aufstockendes Bürgergeld beantragt werden — dieses ist allerdings bedarfsgeprüft.
Wirkt sich eine Abfindung auf das ALG1 aus?
Auf die Höhe in der Regel nicht — das ALG1 wird aus dem Bemessungsentgelt der letzten 12 Monate berechnet, nicht aus der Abfindung. Aber: Wird eine Kündigungsfrist durch Aufhebungsvertrag verkürzt, kann das ALG1 für mehrere Monate ruhen (Ruhenstatbestand nach § 158 SGB III).
Quellen
- § 149 SGB III — Höhe des Arbeitslosengeldes (Leistungsentgelt) , Bundesministerium der Justiz (2024)
- § 151 und § 152 SGB III — Bemessungsentgelt und Bemessungszeitraum , Bundesministerium der Justiz (2024)
- Rechengrößenverordnung 2026 — Beitragsbemessungsgrenzen , Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2025)