Rürup-Rente: Die Altersvorsorge für Selbstständige

Rürup-Rente: Die Altersvorsorge für Selbstständige


Wer selbstständig ist, hat keine gesetzliche Rentenversicherung — zumindest nicht automatisch. Das bedeutet: Wer nichts tut, hat im Alter nichts. Die Rürup-Rente (offiziell: Basisrente) ist das staatlich geförderte Pendant zur Riester-Rente — aber speziell für Selbstständige, Freiberufler und Gutverdiener konzipiert.

Was ist die Rürup-Rente?

Die Rürup-Rente ist eine private Rentenversicherung mit staatlicher Förderung in Form von Steuervorteilen. Anders als Riester gibt es keine direkten Zulagen — die Förderung erfolgt ausschließlich über den Sonderausgabenabzug.

Für 2025 sind Beiträge bis zu 27.566 € pro Jahr (für Ledige; 55.132 € für Verheiratete) steuerlich absetzbar. Dieser Betrag wird schrittweise erhöht.

Wie funktioniert der Steuervorteil?

Ein Beispiel für einen Freiberufler mit 80.000 € Jahreseinkommen (Grenzsteuersatz ~42%):

  • Beitrag in Rürup: 12.000 € im Jahr
  • Steuerersparnis bei 42% Grenzsteuersatz: ca. 5.040 €
  • Effektiver Eigenaufwand: nur 6.960 € für 12.000 € angespartes Kapital

Je höher das Einkommen, desto attraktiver wird der Steuervorteil. Das ist der Hauptgrund, warum Rürup vor allem für Gutverdiener interessant ist.

Wer kann Rürup nutzen?

Anders als Riester ist Rürup nicht auf Arbeitnehmer begrenzt. Berechtigt sind:

  • Selbstständige und Freiberufler
  • Angestellte (als Ergänzung zu anderen Vorsorgeformen)
  • Beamte (eingeschränkt)
  • Gutverdienende, die die Beiträge komplett steuerlich absetzen wollen

Für pflichtversicherte Selbstständige (z.B. Handwerker, Lehrer) gelten andere Rahmenbedingungen, da sie bereits in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.

Was unterscheidet Rürup von Riester?

RürupRiester
ZielgruppeSelbstständige, GutverdienerArbeitnehmer, Familien
FörderartSteuerabzugZulagen + Steuerabzug
Max. Fördergrenze (2025)27.566 €2.100 €
AuszahlungNur als Rente (keine Einmalzahlung)30% Einmalentnahme möglich
VererbbarkeitEingeschränkt (nur an Ehepartner/Kinder)Keine
PfändungsschutzJaJa

Der entscheidende Nachteil von Rürup: Das Kapital ist nicht vererbbar (außer an direkte Angehörige unter bestimmten Bedingungen) und kann nicht als Einmalzahlung ausgezahlt werden. Wer früh stirbt, verliert einen Teil des angesparten Kapitals.

Rürup-Produkte: Klassisch vs. fondsgebunden

Es gibt zwei Hauptvarianten:

Klassische Rürup-Rentenversicherung Garantierte Mindestrente, niedrige aber sichere Rendite. In der aktuellen Niedrigzinsphase der vergangenen Jahre kaum attraktiv, da die Garantiezinsen sehr niedrig waren. Für sehr risikoaverse Anleger trotzdem eine Option.

Fondsgebundene Rürup-Rente Das Kapital wird in Fonds (häufig ETFs) investiert — mit höherem Renditepotenzial, aber ohne Kapitalgarantie. Für jüngere Anleger mit langem Zeithorizont oft die bessere Wahl. Kosten genau prüfen: Die Gebührenstruktur variiert stark zwischen Anbietern.

Wann macht Rürup besonders Sinn?

  • Du bist selbstständig und hast keinen Zugang zur gesetzlichen Rentenversicherung
  • Du hast ein hohes Einkommen und möchtest die Steuerlast jetzt reduzieren
  • Du planst langfristig und brauchst das Kapital nicht vor dem Rentenalter
  • Du willst die Beiträge flexibel gestalten (bei vielen Verträgen möglich)

Wer dagegen wenig verdient oder Flexibilität benötigt, sollte genau abwägen — die steuerlichen Vorteile von Rürup entfalten sich am stärksten bei hohen Einkommen. Ob und in welcher Höhe Rürup für dich sinnvoll ist, hängt stark von deiner steuerlichen Situation ab. Ein Beratungsgespräch lohnt sich hier besonders, da die Produktunterschiede und steuerlichen Effekte komplex sind.

Besteuerung im Alter

Die Rürup-Rente wird im Rentenalter nachgelagert besteuert — ähnlich wie die gesetzliche Rente. Der steuerpflichtige Anteil steigt je nach Renteneintrittsjahrgang schrittweise auf 100%. Wer 2040 in Rente geht, zahlt auf die gesamte Rente den dann geltenden Einkommensteuersatz.

Das klingt zunächst nachteilig — ist es aber meistens nicht. In der Erwerbsphase zahlt man Steuern auf Spitzensteuersatz-Niveau, im Rentenalter oft auf einem deutlich niedrigeren Niveau. Die Steuerstundung ist also in der Regel vorteilhaft.

Vertiefung

Fazit

Rürup ist kein Produkt für jeden — aber für Selbstständige mit gutem Einkommen und langem Zeithorizont ein ernstzunehmender Baustein der Altersvorsorge. Der Steuervorteil ist real und substanziell.

Die Qual der Wahl liegt im Produkt selbst: Fondsgebundene Varianten mit niedrigen Kosten und breiter ETF-Streuung sind in der Regel den klassischen Rentenversicherungen im Rürup-Mantel vorzuziehen.

Mehr zum Thema betriebliche Altersvorsorge als Alternative für Angestellte findest du in einem separaten Artikel.


Dieser Artikel dient der allgemeinen Finanzbildung und stellt keine individuelle Anlage- oder Finanzberatung dar. Für eine persönliche Beratung wende dich an einen zugelassenen Finanzberater.

Häufige Fragen

Wer profitiert besonders von der Rürup-Rente?

Selbstständige und Freiberufler ohne Versorgungswerk haben oft keine Pflichtversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung — Rürup ist für sie die wichtigste steuerlich geförderte Altersvorsorgeform. Auch Angestellte mit hohem Einkommen (Grenzsteuersatz ab 42 %) profitieren stark, da sie den maximalen Sonderausgabenabzug nutzen können. Bei niedrigerem Steuersatz (unter 30 %) ist der Effekt geringer und ein ETF-Sparplan oft sinnvoller.

Wie hoch ist der Steuervorteil 2025?

100 % der Beiträge bis 29.344 € (Single) bzw. 58.688 € (Verheiratete) sind absetzbar (§ 10 Abs. 3 EStG, gekoppelt an die Beitragsbemessungsgrenze knappschaftliche RV). Bei einem Grenzsteuersatz von 42 % und Maximalbeitrag entspricht das einer Ersparnis von rund 12.324 €/Jahr. Wer 1.000 €/Monat einzahlt (= 12.000 €/Jahr) und 35 % Grenzsteuersatz hat, spart rund 4.200 € Steuern jährlich.

Wie wird die Rürup-Rente in der Auszahlung besteuert?

Es gilt die nachgelagerte Besteuerung (§ 22 Nr. 1 Buchst. a EStG). Der steuerpflichtige Anteil hängt vom Renteneintrittsjahr ab: Renteneintritt 2025 → 83,5 % steuerpflichtig, Renteneintritt 2040 oder später → 100 %. Wer heute einzahlt und 2050 in Rente geht, zahlt also auf die volle Rente Einkommensteuer. Das Steuermodell verschiebt die Steuerlast in die Rentenphase, wo der Steuersatz meist niedriger ist als im Erwerbsleben.

Was sind die größten Nachteile der Rürup-Rente?

(1) Lebenslange Verrentung — keine Kapitalauszahlung möglich, (2) nicht vererbbar — bei Tod vor Rentenbeginn ist das Kapital weg (außer mit teurer Hinterbliebenenoption oder Beitragsrückgewähr), (3) nicht beleihbar oder übertragbar, (4) nicht kündbar — nur Beitragsfreistellung möglich, (5) lebenslange Bindung an einen Anbieter mit dessen Kostenstruktur. Diese Inflexibilität ist der Preis für den hohen Steuervorteil.

Rürup oder ETF-Sparplan — was ist besser?

Faustregel: Bei Grenzsteuersatz unter 30 % ist ein ETF-Sparplan meist überlegen — flexibler, vererbbar, mit Sparerpauschbetrag/Teilfreistellung steuerlich attraktiv. Bei Grenzsteuersatz ab 35–42 % gewinnt Rürup, weil der Sonderausgabenabzug die Renditenachteile aus Kosten und Inflexibilität überkompensiert. Ideal ist oft eine Kombination: Rürup für den steuerlich geförderten Teil, ETF-Sparplan für die Flexibilitätsreserve.

Quellen

  1. Bundesministerium der Finanzen (BMF) — Basisrente (Rürup)
  2. Deutsche Rentenversicherung — Rürup-Rente
  3. Stiftung Warentest — Rürup-Rente