Lohnpfändung: Was ist die Pfändungsfreigrenze und wie schützt sie dich?
Schulden, Mahnbescheid, Vollstreckungsbescheid — und plötzlich kommt ein Pfändungs- und Überweisungsbeschluss beim Arbeitgeber an. Was passiert jetzt mit deinem Gehalt?
Was ist eine Lohnpfändung?
Eine Lohnpfändung ist die gerichtlich angeordnete Pfändung deines Arbeitseinkommens. Ein Gläubiger, der eine rechtskräftige Forderung gegen dich hat und nichts bezahlt bekommt, kann beim Gericht die Pfändung deines Lohns beantragen.
Der Arbeitgeber ist dann verpflichtet, einen Teil deines Gehalts direkt an den Gläubiger zu überweisen — an dir vorbei.
Die Pfändungsfreigrenze: Was bleibt dir?
Das Gesetz schützt einen Mindestbetrag deines Einkommens — die Pfändungsfreigrenze. Dieser Betrag darf nicht gepfändet werden, damit du deinen Lebensunterhalt sichern kannst.
Pfändungsfreigrenze 2025 (Nettolohn/Monat):
| Unterhaltspflichten | Pfändungsfreigrenze |
|---|---|
| Keine | 1.491,75 € |
| 1 Person | 2.044,97 € |
| 2 Personen | 2.344,97 € |
| 3 Personen | 2.644,97 € |
Was über die Freigrenze hinausgeht, kann gepfändet werden — aber nicht vollständig. Es gibt eine gestaffelte Tabelle (Pfändungstabelle), die genau festlegt, wie viel bei welchem Einkommen gepfändet werden darf.
Beispiel: Lohnpfändung bei 2.500 Euro Netto (Single)
- Pfändungsfreigrenze: 1.491,75 Euro
- Überschreitung: 1.008,25 Euro
- Davon pfändbar (ca. 70 %): ca. 706 Euro
- Restbetrag für dich: ca. 1.794 Euro
P-Konto: Schutz auch auf dem Konto
Wenn Geld erst auf dem Konto angekommen ist, kann es dort ebenfalls gepfändet werden — es sei denn, du hast ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto). Dieses schützt automatisch einen Basisfreibetrag (2025: 1.491,75 Euro/Monat) auf dem Konto.
Jedes normale Konto kann in ein P-Konto umgewandelt werden — du musst das bei deiner Bank beantragen. Das solltest du tun, sobald eine Pfändung droht.
Was hilft gegen Lohnpfändung?
Kurzfristig schützt die Pfändungsfreigrenze. Langfristig hilft nur die Schuldenregulierung:
- Außergerichtliche Einigung mit dem Gläubiger
- Ratenzahlung vereinbaren
- Schuldnerberatung (kostenlos, z. B. bei Caritas, AWO, Verbraucherzentrale)
- Im Extremfall: Privatinsolvenz (mit anschließender Restschuldbefreiung nach 3 Jahren)
Was das für die Altersvorsorge bedeutet
Eine laufende Lohnpfändung macht es schwer, regelmäßig zu sparen oder Altersvorsorge-Beiträge zu leisten. Die Pfändungsfreigrenze schützt das Existenzminimum — nicht mehr.
Wer in einer Überschuldungssituation ist, sollte die Schuldenlage zuerst strukturieren — Altersvorsorge kann danach wieder aufgebaut werden.
Fazit
Die Pfändungsfreigrenze sorgt dafür, dass du auch bei einer Lohnpfändung nicht mittellos bist. Aber sie ist kein Komfort — sie ist ein Notfallnetz. Wer droht, in eine Überschuldungssituation zu geraten, sollte frühzeitig eine Schuldnerberatung aufsuchen.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Finanzbildung und stellt keine individuelle Anlage- oder Finanzberatung dar. Für eine persönliche Beratung wende dich an einen zugelassenen Finanzberater.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Pfändungsfreigrenze 2025?
Ab 1. Juli 2025 gilt: 1.491,75 € netto/Monat für Schuldner ohne Unterhaltspflichten. Mit einer unterhaltsberechtigten Person 2.044,97 €, mit zwei Personen 2.344,97 €, mit drei 2.644,97 €. Pro weiterer Person kommen jeweils ~300 € hinzu (genau: 300,00 € ab der zweiten Person). Die Pfändungsfreigrenzen werden alle zwei Jahre zum 1. Juli an die Inflation angepasst (§ 850c Abs. 4 ZPO). Bezugsgröße ist immer das Nettoeinkommen — Steuern und Sozialversicherungsbeiträge werden vorher abgezogen, ebenso bestimmte unpfändbare Bezüge wie Kindergeld, die Hälfte der Überstundenvergütung und Spesen.
Wie viel von meinem Gehalt über der Freigrenze ist pfändbar?
Nicht alles über der Freigrenze geht an den Gläubiger — die Pfändungstabelle (Anlage zu § 850c ZPO) staffelt in 10-€-Schritten. Faustregel: Vom Betrag zwischen Pfändungsfreigrenze und 4.443,02 € werden 70 % gepfändet, vom Anteil zwischen 4.443,02 € und der Höchstgrenze (5.522,00 €) 100 %. Bei 2.500 € netto (Single, keine Unterhaltspflichten) sind etwa 706 € pfändbar — du behältst rund 1.794 €. Bei Unterhaltspflichten reduzieren sich beide Beträge: Mit einer unterhaltsberechtigten Person sinkt die Pfändungsquote auf ca. 50 %, mit zwei auf ca. 40 %. Die genauen Beträge findest du in der amtlichen Pfändungstabelle des Bundesjustizministeriums.
Was ist ein P-Konto und wie schützt es mich?
Das Pfändungsschutzkonto (P-Konto, § 850k ZPO) ist ein normales Girokonto mit automatischem Pfändungsschutz auf Kontoguthaben. Sobald Geld auf dein Konto fließt, kann es gepfändet werden — auch wenn der Lohn selbst durch die Pfändungsfreigrenze geschützt war. Das P-Konto sichert automatisch 1.491,75 € pro Monat (Stand 2025), bei Unterhaltspflichten lässt sich der Freibetrag durch eine Bescheinigung (z. B. der Schuldnerberatung, des Arbeitgebers oder der Familienkasse) erhöhen. Jeder hat einen Anspruch auf Umwandlung des bestehenden Kontos in ein P-Konto (§ 850k Abs. 7 ZPO) — die Bank darf das nicht ablehnen und keine zusätzlichen Gebühren erheben (BGH, Urteil vom 16.07.2013, XI ZR 260/12). Wichtig: Pro Person nur ein P-Konto, sonst Strafe.
Welche Einkommensbestandteile sind unpfändbar?
Bestimmte Bezüge sind komplett oder teilweise unpfändbar (§ 850a ZPO): Kindergeld (vollständig unpfändbar), Erziehungsgeld, Mutterschaftsgeld, Pflegegeld, die Hälfte der Überstundenvergütung, Aufwandsentschädigungen und Spesen, Urlaubsgeld bis zu einer Höhe der Hälfte des Monatsentgelts, Weihnachtsgeld bis 705 € (Stand 2024), Jubiläumszuwendungen. Diese Beträge werden vor der Berechnung der Pfändungsfreigrenze abgezogen — sie zählen nicht zum pfändbaren Nettolohn. Sozialleistungen wie Bürgergeld und Wohngeld sind ebenfalls geschützt, allerdings wird hier auf dem P-Konto eine separate Bescheinigung benötigt, damit der Schutz greift.
Was passiert mit Altersvorsorge-Verträgen bei Pfändung?
Riester-Rente und betriebliche Altersvorsorge in der Ansparphase sind grundsätzlich pfändungsgeschützt (§ 851 ZPO i.V.m. § 97 EStG für Riester; § 1 Abs. 1 BetrAVG für bAV) — Gläubiger können nicht auf das angesparte Guthaben zugreifen. Voraussetzung: Die Verträge sind zertifiziert und werden zweckgemäß verwendet. In der Auszahlungsphase greift die normale Pfändungsfreigrenze auf die monatliche Rentenleistung. Die Rürup-Rente (Basisrente) ist ebenfalls pfändungsgeschützt, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind (Rentenbeginn frühestens mit 62, lebenslange monatliche Auszahlung, nicht beleihbar). Klassische Lebensversicherungen oder ETF-Sparpläne hingegen sind voll pfändbar. Wer in finanziellen Schwierigkeiten ist und Altersvorsorge-Verträge schützen will, sollte die Vertragsstruktur mit einer Schuldnerberatung prüfen.