Carried Interest einfach erklärt: Wie PE-Profis wirklich reich werden
Ein Private-Equity-Partner mit 300.000 € Grundgehalt klingt gut bezahlt. Aber das Grundgehalt ist nicht der Grund, warum Menschen jahrzehntelang 70-Stunden-Wochen in dieser Branche durchziehen.
Der eigentliche Hebel heißt Carried Interest — der Gewinnanteil am Fonds. Bei einem erfolgreichen Fonds kann der Carry das Grundgehalt um das Zehnfache übersteigen. Genau hier entsteht das Vermögen.
Dieser Artikel erklärt, wie Carry funktioniert, warum die Hurdle Rate so wichtig ist und wie der Gewinn am Ende verteilt wird.
Was ist Carried Interest?
Carried Interest ist der Anteil am Fondsgewinn, den die Fondsmanager als Erfolgsbeteiligung erhalten — klassisch 20 %.
Das Besondere: Dieser Anteil ist von der eigenen Kapitaleinlage entkoppelt. Die Manager (der General Partner) legen oft nur 1–2 % des Fondsvolumens selbst ein, kassieren aber 20 % des Gewinns. Den Rest des Kapitals stellen die Investoren (Limited Partner) wie Pensionskassen und Versicherer. Wie dieses Zusammenspiel aus GP, LP und Capital Calls insgesamt funktioniert, erklärt Wie funktioniert ein Private-Equity-Fonds?
Carry ist damit eine Hebelvergütung auf fremdes Kapital. Wie genau PE-Firmen darüber hinaus Geld verdienen, steht im Detail in Wie verdienen Private-Equity-Firmen Geld?.
Die Hurdle Rate: Erst die Investoren, dann die Manager
Bevor ein einziger Euro Carry fließt, müssen die Investoren eine Mindestrendite bekommen. Das ist die Hurdle Rate (auch Preferred Return) — branchenüblich 8 % pro Jahr.
Die Logik dahinter ist fair: Die Investoren tragen das Kapitalrisiko, also bekommen sie ihren Einsatz plus eine Grundverzinsung zuerst zurück. Erst was darüber liegt, wird zwischen Investoren und Managern aufgeteilt.
Macht ein Fonds also nur 6 % Rendite, gibt es null Carry. Die Hurdle Rate sorgt dafür, dass Manager nur an echter Überrendite verdienen.
Der Waterfall: So wird der Gewinn verteilt
Die Gewinnverteilung läuft in einer festen Reihenfolge ab — dem sogenannten Distribution Waterfall. Vier Stufen:
- Return of Capital: Die Investoren bekommen zuerst ihr gesamtes eingezahltes Kapital zurück.
- Preferred Return: Anschließend erhalten sie die Hurdle Rate von 8 % pro Jahr.
- Catch-up: Jetzt bekommt der Manager überproportional viel, bis sein Verhältnis 20 % des Gesamtgewinns erreicht.
- Carried Interest: Ab hier wird jeder weitere Euro 80/20 geteilt — 80 % Investoren, 20 % Manager.
Die Catch-up-Phase ist der Trick, den viele übersehen: Sie sorgt dafür, dass der Manager am Ende tatsächlich 20 % des gesamten Gewinns erhält — nicht nur 20 % oberhalb der Hurdle.
Ein Rechenbeispiel
Angenommen, ein Fonds sammelt 100 Mio. € ein und gibt am Ende 150 Mio. € zurück. Der Gewinn beträgt 50 Mio. €.
| Stufe | Betrag |
|---|---|
| Kapitalrückzahlung an Investoren | 100 Mio. € |
| Preferred Return (vereinfacht 8 %) | ~8 Mio. € |
| Catch-up an Manager | ~2 Mio. € |
| Restgewinn 80/20 verteilt | 40 Mio. € → 32 Mio. € / 8 Mio. € |
| Carry für die Manager gesamt | ~10 Mio. € |
Aus einer Kapitaleinlage von vielleicht 1–2 Mio. € entsteht so ein Carry von rund 10 Mio. €. Das ist der Hebel, der die Branche antreibt — und der bei den Gehaltsspannen im Private-Equity-Gehalt den entscheidenden Unterschied macht.
Warum Carry so umstritten ist
Carried Interest steht steuerlich in der Kritik. In Deutschland gilt für Carry aus vermögensverwaltenden Fonds das Teileinkünfteverfahren nach § 18 Abs. 1 Nr. 4 EStG: 40 % sind steuerfrei, nur 60 % unterliegen dem persönlichen Steuersatz.
Kritiker argumentieren, dass hier Arbeitseinkommen wie eine Kapitalanlage behandelt wird. Befürworter halten dagegen, dass die Manager echtes unternehmerisches Risiko tragen. Die Debatte ist in mehreren Ländern aktiv — eine Reform ist nicht ausgeschlossen.
Wer die Schattenseiten der Anlageklasse insgesamt verstehen will, findet sie in Private Equity Nachteile.
Fazit
Carried Interest ist der Grund, warum Private Equity als Karriereweg so attraktiv gilt — und warum der Weg dorthin so kompetitiv ist. Nicht das Gehalt macht reich, sondern die Beteiligung am Fondserfolg.
Wer den Einstieg sucht, sollte das Vergütungsmodell verstehen, bevor er es bewertet: Ein Carry-Versprechen ist erst dann etwas wert, wenn der Fonds die Hurdle Rate übertrifft. Wie der Karriereweg dorthin aussieht, steht in Private Equity Karriere: Wie kommt man rein?.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Finanzbildung und stellt keine individuelle Anlage- oder Finanzberatung dar. Für eine persönliche Beratung wende dich an einen zugelassenen Finanzberater.
Häufige Fragen
Was ist Carried Interest einfach erklärt?
Carried Interest (kurz Carry) ist der Anteil am Fondsgewinn, den die Private-Equity-Manager als Erfolgsbeteiligung bekommen — üblicherweise 20 % des Gewinns oberhalb einer Mindestrendite. Er ist von der eigenen Kapitaleinlage entkoppelt und macht den Großteil des Vermögens erfolgreicher PE-Partner aus.
Was bedeutet die Hurdle Rate?
Die Hurdle Rate (auch Preferred Return) ist die Mindestrendite, die die Investoren zuerst erhalten, bevor die Manager am Gewinn beteiligt werden. Branchenüblich sind 8 % pro Jahr. Erst oberhalb dieser Schwelle greift der Carried Interest.
Wie wird Carried Interest in Deutschland besteuert?
In Deutschland gilt für Carried Interest aus vermögensverwaltenden Fonds das Teileinkünfteverfahren: 40 % sind steuerfrei, 60 % werden mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert (§ 18 Abs. 1 Nr. 4 EStG). Die genaue Behandlung hängt von der Fondsstruktur ab.
Quellen
- Einkommensteuergesetz § 18 Abs. 1 Nr. 4 (Carried Interest) , Bundesministerium der Justiz (2025)