Versicherungscheck: Was du einmal im Jahr prüfen solltest

Versicherungscheck: Was du einmal im Jahr prüfen solltest


Versicherungen schließt man ab — und vergisst sie. Das führt dazu, dass man jahrelang für Schutz zahlt, den man nicht (mehr) braucht, während Lücken entstehen, die teuer werden können. Ein jährlicher Check von 2 Stunden kann beides verhindern.

Was gehört auf die Prüfliste?

Haftpflichtversicherung

Die wichtigste Versicherung überhaupt — und gleichzeitig eine der günstigsten (ca. 40–90 Euro/Jahr). Prüfen:

  • Deckt sie auch Schäden durch Fahrlässigkeit?
  • Ist der Partner mitversichert?
  • Deckungssumme ausreichend (min. 10 Mio. Euro Personen-/Sachschäden)?

Bei Heirat oder Umzug: Partner ggf. einschließen oder Vertrag anpassen.

Kfz-Versicherung

Preis und Leistung variieren erheblich. Vergleich lohnt sich jährlich:

  • Wechselfrist meist 30. November (Kündigung bis dann)
  • Online-Rechner (Check24, Verivox) für Marktvergleich nutzen
  • Bonus-Malus-Klasse nach Unfalljahr prüfen

Berufsunfähigkeitsversicherung

Existiert sie? Wenn ja:

  • Ist die versicherte Rente noch ausreichend? (Sollte 60–80 % des Nettoeinkommens abdecken)
  • Sind Gesundheitsfragen korrekt beantwortet?
  • Laufzeit bis 67?

Wenn nein: Priorität. Warum BU für Berufseinsteiger so wichtig ist, erklärt dieser Artikel.

Hausrat- und Wohngebäudeversicherung

Hausrat: Deckt Einrichtung bei Einbruch, Brand, Wasserschaden. Bei Umzug anpassen (neue Wohnfläche, neuer Ort). Oft zu niedrig versichert nach Einrichtungsanschaffungen.

Wohngebäude: Nur für Eigentümer relevant. Unterversicherung vermeiden — regelmäßig Versicherungswert prüfen, besonders nach Renovierungen.

Überflüssige Versicherungen

Häufig überflüssig:

  • Handyversicherung: Kosten oft höher als Reparatur. Selbstbehalt macht Versicherung selten sinnvoll.
  • Reisegepäckversicherung: Hausrat deckt Gepäck oft mit.
  • Sterbegeldversicherung: Nur relevant, wenn keine anderen Rücklagen existieren.
  • Rechtsschutzversicherung: Sinnvoll für manche — aber Überlappungen mit anderen Policen prüfen.

Was fehlen könnte

  • BU (wenn nicht vorhanden)
  • Private Krankentagegeldversicherung (bei Selbstständigen fast Pflicht)
  • Risikolebensversicherung (wenn Abhängige existieren)
  • Pflegezusatzversicherung (je nach Lebenssituation)

Wie der Check ablaufen sollte

  1. Alle Policen zusammensuchen (Ordner oder App wie Clark, Check24 Versicherungsmanager)
  2. Liste: Welche habe ich? Was deckt sie? Was kostet sie?
  3. Vergleich für Kfz und ggf. Haftpflicht — oft 50–150 Euro/Jahr Ersparnis möglich
  4. Lücken identifizieren: Fehlt BU? Fehlt Krankentagegeld?
  5. Überflüssiges kündigen: Handyversicherung, Reisegepäck, etc.

Fazit

Ein jährlicher Versicherungscheck dauert 2 Stunden und spart oft mehr als 200 Euro im Jahr — durch Kündigung überflüssiger Policen und Wechsel bei überteuerten Verträgen. Gleichzeitig schließt er Lücken, die im Ernstfall teuer werden. Einmal im Jahr — am besten immer zu einem festen Zeitpunkt (z. B. im November vor der Kfz-Wechselfrist).


Dieser Artikel dient der allgemeinen Finanzbildung und stellt keine individuelle Anlage- oder Finanzberatung dar. Für eine persönliche Beratung wende dich an einen zugelassenen Finanzberater.

Häufige Fragen

Welche Versicherungen sollte ich jährlich prüfen?

Pflicht (alle Lebenslagen): Privathaftpflicht (Versicherungssumme min. 10–15 Mio. €), Berufsunfähigkeit (Rentenhöhe noch passend?), Krankenversicherung (Wechseloption gesetzlich/privat?). Lebenslage-abhängig: Hausrat (Versicherungssumme an Wohnungswert anpassen), Risikolebensversicherung (Restschuld Immobilie, Kinder), Rechtsschutz, Kfz (Wechsel zum 1.1.). Tarif-Check: bei Vergleichsportalen (Check24, Verivox, Finanztip-Empfehlungen).

Welche Versicherungen sind oft überflüssig?

Glasbruchversicherung (Selbstzahler meist günstiger), Handyversicherung (hohe Selbstbeteiligung, Ausschlüsse), Brillenversicherung (Brille = planbare Ausgabe, Vorsorge im Sparkonto sinnvoller), Reisegepäckversicherung einzeln (oft in Hausrat enthalten), Sterbegeldversicherung (mit ETF-Sparplan günstiger), Restschuld-/Ratenkredit-Versicherung (extrem teuer, oft nicht zielführend), Garantieverlängerungen für Elektronik (gesetzliche Gewährleistung 2 Jahre + EU-Mindestgarantie reichen meist).

Wie kündige ich richtig?

Ordentliche Kündigung mit Frist (meist 1–3 Monate vor Ablauf, im Versicherungsschein), Sonderkündigungsrecht nach Beitragserhöhung (1 Monat ab Mitteilung, § 40 VVG) oder nach Schadensfall. Schriftlich per Einschreiben mit Rückschein oder über E-Mail mit Lesebestätigung. Wichtig: Erst kündigen, wenn neue Versicherung bestätigt ist — sonst entstehen Versicherungslücken, besonders kritisch bei Kfz (Pflichtversicherung) und Krankenversicherung.

Wann lohnt sich ein Tarifwechsel?

Faustregel: Wenn neuer Tarif mindestens 15–20 % günstiger bei gleicher Leistung ist und keine versteckten Nachteile (geringere Versicherungssumme, höhere Selbstbeteiligung, Ausschlüsse). Bei Kfz: Wechsel jährlich zum 1.1. möglich (Frist 30.11.). Bei Hausrat/Haftpflicht/Rechtsschutz: ordentliche Kündigung zum Ablauf. Bei BU: Wechsel nur sehr selten sinnvoll, weil neue Gesundheitsprüfung droht — eher Tarif beim aktuellen Anbieter optimieren.

Was tun mit alten Lebensversicherungen?

Drei Optionen: (1) Beitragsfrei stellen — Vertrag ruht, bisheriger Sparanteil bleibt erhalten, keine Stornoverluste, (2) Verkauf an Policen-Ankäufer (z. B. Policen Direkt, Cashlife) — meist 5–15 % über Rückkaufswert, (3) Kündigung mit Auszahlung Rückkaufswert. Vor jeder Aktion: Rückkaufswert vom Versicherer schriftlich anfordern, Garantieverzinsung im Altvertrag (1995–2003 oft 4 %, 2004–2007 2,75 %) als Vorteil bewerten — alte Verträge mit hoher Garantie behalten ist oft die beste Option.

Quellen

  1. GDV — Versicherung im Lebenslauf
  2. Stiftung Warentest — Versicherungs-Check
  3. Verbraucherzentrale — Versicherungs-Check