Private Equity Secondaries: Der Zweitmarkt für Fondsanteile erklärt

Private Equity Secondaries: Der Zweitmarkt für Fondsanteile erklärt


Ein Private-Equity-Fonds bindet Kapital normalerweise 10 Jahre oder länger — für institutionelle Investoren ist das oft kein Problem, für andere schon. Genau hier setzt der Secondary-Markt an: ein wachsender Zweitmarkt, auf dem bestehende Fondsanteile den Besitzer wechseln, statt bis zum regulären Laufzeitende zu warten.

Primary vs. Secondary: der Grundunterschied

Beim Primary-Markt zeichnet ein Investor bei der Auflage eines neuen Fonds Kapital — er verpflichtet sich, über die Fondslaufzeit hinweg Kapital abzurufen und einzuzahlen, sobald der Fondsmanager Investitionsgelegenheiten findet.

Beim Secondary-Markt kauft oder verkauft ein Investor stattdessen einen bereits bestehenden Anteil an einem laufenden Fonds — mit einem Portfolio, das teilweise oder vollständig investiert ist. Das verändert das Risikoprofil erheblich: Statt blind auf zukünftige Investitionsentscheidungen zu vertrauen, sieht der Käufer bereits einen Teil des tatsächlichen Portfolios.

LP-led Secondaries: der klassische Fall

Bei LP-led Secondaries (Limited Partner-led) verkauft ein bestehender Fondsinvestor seinen Anteil an einen anderen Investor. Typische Gründe:

  • Liquiditätsbedarf — etwa bei Pensionskassen oder Versicherungen, die kurzfristig Kapital brauchen
  • Portfolio-Rebalancing — die Zielallokation für Private Equity wurde erreicht oder überschritten
  • Strategiewechsel — ein Investor verlässt eine Anlageklasse oder Region komplett

Der Käufer erwirbt den Anteil meist mit einem Auf- oder Abschlag zum aktuellen Nettoinventarwert (NAV) des Fonds — abhängig von der Qualität des Portfolios, der verbleibenden Laufzeit und der allgemeinen Marktlage.

GP-led Secondaries und der Continuation Fund

Bei GP-led Secondaries geht die Initiative vom Fondsmanager selbst aus. Die häufigste Form ist der Continuation Fund: Der Manager überträgt eine oder mehrere besonders erfolgreiche Beteiligungen aus einem auslaufenden Fonds in ein neues Vehikel.

Der Grund: Ein Portfoliounternehmen entwickelt sich oft am stärksten, wenn der ursprüngliche Fonds bereits sein Laufzeitende erreicht. Statt es dann unter Zeitdruck verkaufen zu müssen, gibt ein Continuation Fund dem Manager mehr Zeit, weiter Wert zu schaffen. Bestehende Investoren können wählen: Sie steigen mit einer Auszahlung aus oder investieren im neuen Vehikel weiter mit.

Warum Secondaries die J-Curve abmildern

Ein bekanntes Problem bei Primary-Investments in Private Equity ist die J-Curve: In den ersten Jahren eines Fonds übersteigen Gebühren und noch nicht realisierte Investitionen die ausgewiesenen Erträge — die Rendite-Kurve fällt zunächst, bevor sie steigt.

Secondaries kaufen dagegen oft bereits reifere, teilweise werthaltige Portfolios. Das führt zu einem flacheren Einstiegsverlauf und potenziell schnelleren Kapitalrückflüssen, weil ein Teil der Wertschöpfung bereits stattgefunden hat, bevor der Secondary-Käufer einsteigt.

Warum der Markt wächst

Zwei strukturelle Trends treiben den Secondary-Markt: Erstens verwalten institutionelle Investoren zunehmend komplexe PE-Portfolios über mehrere Fonds-Generationen hinweg und nutzen Secondaries aktiv zur Steuerung. Zweitens hat sich der GP-led-Markt — allen voran Continuation Funds — als eigenständiges Segment etabliert, weil Fondsmanager damit ihre besten Beteiligungen länger halten können, statt sie am Ende einer starren Fondslaufzeit zu verkaufen.

Fazit

Der Secondary-Markt ist längst kein Nischenphänomen mehr, sondern ein fester Bestandteil der Private-Equity-Infrastruktur — mit eigener Logik, eigenen Bewertungsmechanismen und eigenen Chancen für Investoren, die nicht die volle Fondslaufzeit mitgehen wollen oder können. Wer sich mit Private-Equity-Strukturen beschäftigt, sollte den Unterschied zwischen Primary- und Secondary-Investments kennen — er erklärt einen wachsenden Teil des Marktes.

Wie Privatanleger inzwischen überhaupt Zugang zu Private-Equity-Strukturen bekommen — Secondaries eingeschlossen —, zeigt der Artikel zu ELTIF-Fonds für Privatanleger.

Wie sich ein Zugang zu Private-Equity-Strukturen — ob Primary oder Secondary — sinnvoll in die eigene Vermögensstrategie einordnet, ist individuell verschieden und gehört in ein Beratungsgespräch.


Dieser Artikel dient der allgemeinen Finanzbildung und stellt keine individuelle Anlageberatung dar. Für eine persönliche Beratung wende dich an einen zugelassenen Finanzberater.

Häufige Fragen

Was sind Secondaries in Private Equity?

Secondaries bezeichnen den Handel mit bereits bestehenden Anteilen an Private-Equity-Fonds — im Unterschied zum Primary-Markt, wo Investoren bei der Fondsauflage neues Kapital zusagen. Auf dem Zweitmarkt wechseln Fondsanteile oder ganze Fonds-Portfolios den Besitzer, meist bevor der Fonds sein reguläres Laufzeitende erreicht hat.

Was ist der Unterschied zwischen LP-led und GP-led Secondaries?

Bei LP-led Secondaries verkauft ein Investor (Limited Partner) seinen bestehenden Fondsanteil an einen anderen Investor — die Initiative geht vom Kapitalgeber aus, oft wegen Liquiditätsbedarf oder Portfolio-Anpassung. Bei GP-led Secondaries initiiert der Fondsmanager (General Partner) selbst die Transaktion, meist über einen Continuation Fund für besonders werthaltige Portfoliounternehmen.

Was ist ein Continuation Fund?

Ein Continuation Fund ist ein neu aufgelegtes Vehikel, in das ein Fondsmanager eine oder mehrere besonders erfolgreiche Beteiligungen aus einem auslaufenden Fonds überträgt. Bestehende Investoren können wählen, ob sie in den neuen Fonds mit reinvestieren oder ausbezahlt werden — der Manager gewinnt dadurch mehr Zeit, den Wert der Top-Performer weiter zu steigern, statt sie unter Zeitdruck verkaufen zu müssen.

Warum verkaufen Investoren ihre PE-Fondsanteile vor Laufzeitende?

Private-Equity-Fonds binden Kapital typischerweise 10 Jahre oder länger. Institutionelle Investoren wie Pensionskassen ändern aber manchmal ihre Asset-Allocation oder brauchen kurzfristig Liquidität — der Secondary-Markt bietet ihnen einen Ausstieg, ohne auf das reguläre Laufzeitende warten zu müssen.

Können Privatanleger in PE-Secondaries investieren?

Direkter Zugang ist für Privatanleger traditionell kaum möglich, da einzelne Transaktionen oft im zweistelligen Millionenbereich liegen. Zugang eröffnen zunehmend semi-liquide Evergreen-Fondsstrukturen, die Secondary-Positionen bündeln — ähnlich wie bei den neuen ELTIF-Strukturen für den Privatanleger-Zugang zu Private Equity allgemein.

Quellen

  1. BVK-Statistik: Der deutsche Beteiligungskapitalmarkt , Bundesverband Beteiligungskapital (BVK) (2025)
  2. Global Secondary Market Review , Jefferies Private Capital Advisory (2025)