Eigenkapital für Immobilienkauf: Wie viel brauchst du wirklich?

Eigenkapital für Immobilienkauf: Wie viel brauchst du wirklich?


“Immobilienkauf ohne Eigenkapital” — Angebote und Ratgeber damit gibt es viele. Aber wer die Zahlen kennt, weiß: Je mehr Eigenkapital, desto günstiger der Kredit und desto sicherer die Finanzierung. Die Frage ist, wie viel du brauchst und wie du dahin kommst.

Warum Eigenkapital so wichtig ist

Banken finanzieren in der Regel nicht den vollen Kaufpreis. Sie verleihen Geld auf Basis eines Beleihungswertes — und wer mehr Eigenkapital mitbringt, bekommt:

  • Niedrigeren Zinssatz: Der Zinsaufschlag für hohe Beleihungsquoten kann 0,5–1,5 % betragen. Auf 20 Jahre sind das bei 300.000 Euro Kredit Zehntausende Euro Unterschied.
  • Bessere Konditionen: Kürzere Laufzeit, höhere Tilgung möglich.
  • Geringeres Ausfallrisiko: Wenn der Immobilienwert fällt, bist du nicht sofort unter Wasser.

Wie viel Eigenkapital ist empfehlenswert?

Die Faustregel: Mindestens 20 % des Kaufpreises plus die Nebenkosten.

Nebenkosten beim Immobilienkauf (je nach Bundesland):

  • Grunderwerbsteuer: 3,5–6,5 %
  • Notarkosten: ca. 1,5 %
  • Grundbucheintrag: ca. 0,5 %
  • Makler (falls zutreffend): 3,57 % (hälftig)

Insgesamt: 10–15 % Nebenkosten auf den Kaufpreis.

Beispiel Münster: Kaufpreis 400.000 Euro

  • Nebenkosten: ca. 52.000 Euro (13 %)
  • Empfohlenes Eigenkapital (20 % + Nebenkosten): ca. 132.000 Euro
  • Kredit: ca. 268.000 Euro

Wer weniger mitbringt, zahlt mehr Zinsen und hat weniger Sicherheitspuffer.

Was zählt als Eigenkapital?

  • Ersparnisse (Tagesgeld, Festgeld, Girokonto)
  • Wertpapierdepot (mit Abschlag — Kursschwankungen einrechnen)
  • Bausparvertrag (angespartes Guthaben)
  • Lebensversicherung (Rückkaufswert)
  • Schenkungen oder Erbschaften
  • Eigenleistungen beim Bau (“Muskelhypothek”) — von manchen Banken anerkannt

Was nicht zählt: Konsumentenkredite oder Überziehung des Girokontos, um “Eigenkapital” darzustellen. Das erkennen Banken und es wirkt kontraproduktiv.

Wie lange dauert das Ansparen?

Bei 300 Euro monatlichem Sparplan und 4 % Rendite:

  • Nach 10 Jahren: ca. 44.000 Euro
  • Nach 15 Jahren: ca. 74.000 Euro
  • Nach 20 Jahren: ca. 110.000 Euro

Das zeigt: Wer mit 25 anfängt, kann mit 40–45 realistisch 80.000–120.000 Euro Eigenkapital aufgebaut haben — ausreichend für den Kauf in vielen deutschen Städten.

Wie du strukturiert anfängst zu sparen, erklärt dieser Artikel über die 50-30-20-Regel.

Wohnen zur Miete vs. Eigenkapital aufbauen

Wer in Münster zur Miete wohnt, während er Eigenkapital aufbaut, zahlt zwar Miete — hat aber liquides Kapital, das Rendite erwirtschaftet. Das ist kein “Geld zum Fenster hinauswerfen”, wenn das Depot ordentlich aufgebaut ist.

Was der Vergleich Mieten vs. Kaufen in Münster konkret ergibt, erklärt dieser Artikel.

Fazit

20 % Eigenkapital plus Nebenkosten ist das Ziel — darunter wird Immobilienkauf teuer und riskant. Wer früh und strukturiert anspart, hat mit 35–45 eine realistische Ausgangslage.

Wie die optimale Anlagestrategie für dein Eigenkapitalziel aussieht, hängt von Zeithorizont, Risikobereitschaft und lokalen Immobilienpreisen ab. Dafür lohnt sich ein Beratungsgespräch.


Dieser Artikel dient der allgemeinen Finanzbildung und stellt keine individuelle Anlage- oder Finanzberatung dar. Für eine persönliche Beratung wende dich an einen zugelassenen Finanzberater.

Häufige Fragen

Wie viel Eigenkapital brauche ich für einen Immobilienkauf?

Empfehlung: 20 % des Kaufpreises plus Nebenkosten in voller Höhe. In NRW (inklusive Münster) bedeuten die Nebenkosten rund 12 % (6,5 % Grunderwerbsteuer nach GrEStG, 1,5 % Notar, 0,5 % Grundbuch, 3,57 % Maklerprovision hälftig). Bei 400.000 € Kaufpreis also 80.000 € + 48.000 € = rund 130.000 € Eigenkapital. Weniger ist möglich, erhöht aber Zinsaufschläge und Ausfallrisiko.

Was zählt als Eigenkapital beim Immobilienkauf?

Anerkannt werden: Bank- und Sparguthaben (Tagesgeld, Festgeld), Wertpapierdepots (mit Abschlag wegen Kursschwankungen, typisch 70–80 % des aktuellen Wertes), Bausparguthaben, Rückkaufswerte von Lebensversicherungen, Schenkungen und Erbschaften, Eigenleistungen beim Bau ("Muskelhypothek", bankenabhängig anerkannt). Nicht anerkannt: Konsumentenkredite, Dispo-Nutzung zur Darstellung als Eigenkapital — Banken prüfen das und bewerten es negativ.

Wie hoch sind die Kaufnebenkosten in Münster/NRW?

In Nordrhein-Westfalen liegen die Nebenkosten bei rund 12 % des Kaufpreises: Grunderwerbsteuer 6,5 % (§ 11 GrEStG NRW), Notarkosten und Grundbucheintrag zusammen rund 2 % (GNotKG), Maklercourtage 7,14 % hälftig seit 2020 (BGB § 656a-d) also 3,57 % für Käufer. Bei 400.000 € Kaufpreis ergeben sich rund 48.000 € Nebenkosten. Diese müssen typischerweise komplett aus Eigenkapital finanziert werden.

Wie lange dauert es, Eigenkapital anzusparen?

Bei 300 €/Monat und 4 % Durchschnittsrendite (konservativer Mischfonds oder Tagesgeld+Aktien-Mix): nach 10 Jahren rund 44.000 €, nach 15 Jahren rund 74.000 €, nach 20 Jahren rund 110.000 €. Bei 500 €/Monat entsprechend rund 73.000 €, 123.000 €, 184.000 €. Wer mit 25 anfängt, kann mit 40 realistisch 80.000–120.000 € Eigenkapital angespart haben — ausreichend für Immobilienkauf in vielen deutschen Mittelstädten inkl. Münster.

Kann ich auch ohne Eigenkapital eine Immobilie kaufen?

110 %-Finanzierungen (Kaufpreis plus Nebenkosten ohne Eigenkapital) sind möglich, aber teuer und riskant: Zinsaufschlag 1–2 %, bei 300.000 € Kredit über 20 Jahre bedeutet das 30.000–60.000 € Mehrkosten. Zusätzlich fehlt der Sicherheitspuffer bei fallenden Immobilienpreisen. Volltilgungsdarlehen ohne Eigenkapital sind nach § 18a KWG (EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinie) an strenge Bonitätsprüfung gebunden. Für die meisten Käufer ist 20 % Eigenkapital rentabler.

Quellen

  1. Grunderwerbsteuergesetz (GrEStG) , Bundesministerium der Justiz (2025)
  2. Pfandbriefgesetz (PfandBG) — § 16 Beleihungswert , Bundesministerium der Justiz (2025)
  3. Zinsstatistik Immobilienkredite , Deutsche Bundesbank (2024)