Depot eröffnen: Welche Bank für Berufseinsteiger wirklich passt
Bevor der erste ETF-Sparplan läuft, braucht es ein Depot. Die Entscheidung fühlt sich komplex an — dabei sind die relevanten Kriterien überschaubar. Das teuerste Fehler ist, zu warten und keins zu eröffnen.
Was ist ein Depot überhaupt?
Ein Depot ist das Konto, auf dem Wertpapiere (Aktien, ETFs, Fonds, Anleihen) verwahrt werden — vergleichbar mit einem Girokonto für Geld, nur für Wertpapiere. Du brauchst eines, um ETFs kaufen und Sparpläne einrichten zu können.
Worauf kommt es an?
Sparplangebühren: Für Berufseinsteiger das wichtigste Kriterium. Viele Neobroker bieten ETF-Sparpläne kostenlos an — d. h. keine Ausführungsgebühr pro Rate.
Depotgebühr: Klassische Filialbanken erheben oft jährliche Depotgebühren (30–60 Euro/Jahr). Direktbanken und Neobroker: meist kostenlos.
ETF-Auswahl im Sparplan: Wie viele ETFs sind als Sparplan verfügbar? Typisch sind 300–2.000 ETFs.
Regulierung: Einlagensicherung gilt für Geld auf dem Verrechnungskonto (bis 100.000 Euro). Wertpapiere im Depot sind Sondervermögen — sie sind selbst bei Insolvenz der Depotbank geschützt.
Benutzerfreundlichkeit: App, Übersichtlichkeit, Steuerreporting.
Die wichtigsten Anbieter im Überblick
| Anbieter | Sparplangebühr | Depotgebühr | ETF-Sparplan-Auswahl | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Trade Republic | kostenlos | kostenlos | ~1.900 ETFs | 4 % Zinsen auf Verrechnungskonto |
| Scalable Capital | kostenlos (Free) | kostenlos | ~2.100 ETFs | Robo-Option, Prime-Abo für mehr |
| ING | kostenlos (Aktionssparpl.) | kostenlos | ~800 ETFs | Klassische Direktbank, stabil |
| DKB | kostenlos | kostenlos | ~600 ETFs | Girokonto + Depot gut kombinierbar |
| Consorsbank | kostenlos (teils) | kostenlos | ~600 ETFs | Gutes Angebot für Einsteiger |
| Comdirect | 1,5 % (min. 1,50 €) | kostenlos | ~1.500 ETFs | Viele Features, teurer als Neo |
Neobroker vs. klassische Direktbank
Neobroker (Trade Republic, Scalable): Billig, mobil-first, weniger Features. Gut für einfache Sparpläne und Buy-and-Hold. Reguliert durch BaFin, aber weniger Erfahrung bei Sondersituationen (Dividenden ausländischer ETFs, Steuerreporting).
Klassische Direktbanken (ING, DKB, Comdirect): Etwas höhere Kosten, aber zuverlässiges Steuerreporting, mehr Serviceleistungen, längere Marktpräsenz. Gut für alle, die Vollständigkeit über Kostenoptimierung stellen.
Empfehlung für Berufseinsteiger
Für einen einfachen ETF-Sparplan ohne großes Handeln: Trade Republic oder Scalable Capital — kostenlose Sparpläne, gute App, ausreichend ETF-Auswahl.
Wer ein verlässliches Paket mit Girokonto kombinieren will: ING oder DKB — stabile Direktbanken mit gutem Ruf und kostenlosem Girokonto + Depot.
Filialbanken sind für ETF-Sparpläne in der Regel zu teuer — die Kostenunterschiede über 30 Jahre können Zehntausende Euro ausmachen.
Fazit
Das beste Depot ist das, das du tatsächlich nutzt. Für Berufseinsteiger mit einfachem ETF-Sparplan reichen Neobroker oder klassische Direktbanken vollständig aus. Entscheidend ist, anzufangen — nicht, das “perfekte” Depot zu finden.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Finanzbildung und stellt keine individuelle Anlage- oder Finanzberatung dar. Für eine persönliche Beratung wende dich an einen zugelassenen Finanzberater.
Häufige Fragen
Welches Depot ist für ETF-Sparpläne am günstigsten?
Trade Republic und Scalable Capital (Free-Tarif) bieten ETF-Sparpläne aktuell komplett kostenlos an, ohne Depotgebühr und ohne Ausführungsgebühr. Bei Direktbanken wie ING und DKB laufen Sparpläne oft über Aktionstarife ebenfalls bei 0 €; regulär fallen 0,75–1,75 % pro Ausführung an. Bei 100 € Sparrate summieren sich diese Kosten über 30 Jahre auf mehrere hundert bis tausend Euro.
Wie sicher ist ein Depot bei Neobrokern?
Genauso sicher wie bei klassischen Banken. Trade Republic und Scalable Capital sind BaFin-reguliert und Teil der gesetzlichen Einlagensicherung (bis 100.000 € Cash auf dem Verrechnungskonto, EU-Richtlinie 2014/49/EU). Wertpapiere selbst sind als Sondervermögen nach KAGB getrennt vom Bankvermögen verwahrt — bei Insolvenz bekommst du dein Depot zu einer anderen Bank übertragen, unabhängig vom Anbieter.
Neobroker oder Direktbank — was ist für Einsteiger besser?
Bei reinem ETF-Sparplan-Nutzen sind Neobroker günstiger und bedienerfreundlicher. Direktbanken (ING, DKB) eignen sich besser, wenn du Depot plus Girokonto plus Tagesgeld aus einer Hand möchtest und zuverlässiges Steuerreporting (Bescheinigungen, Verlustverrechnungstopf) brauchst. Für Ausländische Dividenden-ETFs oder Quellensteuererstattung sind etablierte Direktbanken oft erfahrener.
Wie viele ETFs sollte ein Depot im Sparplan anbieten?
Für Einsteiger reicht praktisch jedes Angebot: Selbst kleine Auswahlen (ING: ~800 ETFs, DKB: ~600) decken alle gängigen Welt-ETFs ab (MSCI World, FTSE All-World, MSCI Emerging Markets). Größere Auswahlen (Scalable: ~2.100, Trade Republic: ~1.900) sind nur relevant, wenn du Nischen-ETFs (Sektoren, Faktoren, Themen) sparen willst. Für den Grundaufbau irrelevant.
Was kostet eine Filialbank-Depot im Vergleich?
Filialbanken (Sparkasse, Volksbank) verlangen häufig 30–60 € Jahresdepotgebühr plus 0,25–1 % Orderkosten (mindestens 5–10 € pro Order). Auf 30 Jahre Sparphase mit 100 €/Monat ergeben sich grob 3.000–5.000 € Mehrkosten gegenüber einem Neobroker. Die persönliche Beratung rechtfertigt diesen Preisunterschied für reine ETF-Sparer selten — für komplexere Depots mit aktivem Handel kann der Service sinnvoll sein.
Quellen
- Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) — Sondervermögen , Bundesministerium der Justiz (2025)
- Einlagensicherungsgesetz (EinSiG) & EU-Richtlinie 2014/49/EU , Europäische Union / BaFin (2024)
- Wertpapierhandel und Wertpapierinstitutsgesetz (WpIG) , Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) (2024)