BU und psychische Erkrankungen: Was du wissen musst

BU und psychische Erkrankungen: Was du wissen musst


Psychische Erkrankungen sind seit Jahren der häufigste Grund für Berufsunfähigkeit in Deutschland — noch vor Rücken- und Krebserkrankungen. Rund 30 % aller BU-Leistungen werden wegen psychischer Erkrankungen gezahlt.

Das hat Konsequenzen: für den Abschluss, die Gesundheitsprüfung — und dafür, wann du eine BU-Rente wirklich bekommst.

Warum psychische Erkrankungen beim BU-Abschluss besonders wichtig sind

Vor dem Abschluss einer BU stellt die Versicherung Gesundheitsfragen — teils über viele Jahre zurück. Wer in der Vergangenheit wegen psychischer Beschwerden behandelt wurde, muss das angeben.

Das gilt für:

  • Psychotherapie (auch kurze oder präventive)
  • Antidepressiva oder andere psychoaktive Medikamente
  • Stationäre psychiatrische Behandlungen
  • Krankschreibungen wegen Burnout, Erschöpfung, Anpassungsstörungen

Wer diese Angaben weglässt, riskiert arglistige Täuschung — und die Versicherung kann im Leistungsfall die Zahlung verweigern oder den Vertrag anfechten.

Was passiert, wenn du Vorerkrankungen angibst?

Je nach Schwere und Zeitraum der Erkrankung reagiert der Versicherer unterschiedlich:

  • Normaler Abschluss: Leichte, abgeschlossene Episoden ohne Krankenhausaufenthalt werden oft akzeptiert
  • Ausschluss psychischer Erkrankungen: Häufige Reaktion — du bekommst die BU, aber psychische Erkrankungen sind vom Versicherungsschutz ausgenommen
  • Risikozuschlag: Höhere Prämie
  • Ablehnung: Bei schweren oder rezidivierenden Erkrankungen

Ein Ausschluss klingt schlimm — deckt aber immer noch körperliche BU-Ursachen ab, was für viele Berufe die größere Gefahr ist.

Anonyme Voranfrage: Der richtige erste Schritt

Bevor du einen BU-Antrag stellst: Mach eine anonyme Risikovoranfrage über einen Makler. Dabei werden deine Gesundheitsdaten anonym bei mehreren Versicherern eingereicht — ohne dass eine Ablehnung in deiner Akte landet.

Das ist entscheidend, weil abgelehnte Anträge gespeichert werden und bei späteren Bewerbungen als Warnsignal gelten.

Im Leistungsfall: Wie wird psychische BU nachgewiesen?

Wenn du wegen einer psychischen Erkrankung BU-Leistungen beantragst, verlangt die Versicherung:

  • Atteste von behandelnden Psychiatern oder Psychotherapeuten
  • Krankenhausberichte
  • Gutachten eines unabhängigen Sachverständigen (oft auf Kosten der Versicherung)

Der Nachweis ist möglich, aber aufwendiger als bei körperlichen Erkrankungen. Manchmal kommt es zu Auseinandersetzungen darüber, ob die Erkrankung wirklich eine 50-prozentige Berufsunfähigkeit begründet.

Früh abschließen: Warum das besonders gilt

Je jünger und gesünder du bist, desto sauberer deine Krankenakte. Wer mit 23 und ohne psychotherapeutische Vorgeschichte eine BU abschließt, zahlt weniger und bekommt umfassenderen Schutz als jemand mit 35 und einigen dokumentierten Belastungsphasen.

Was du beim BU-Abschluss generell beachten solltest, erklärt dieser Artikel.

Vertiefung

Fazit

Psychische Erkrankungen sind der wichtigste BU-Grund — und gleichzeitig der sensibelste beim Abschluss. Frühzeitig und vollständig anzugeben ist Pflicht; eine anonyme Voranfrage hilft, den richtigen Anbieter zu finden. Wer das ignoriert, riskiert im schlimmsten Moment — wenn er Leistungen braucht — eine Ablehnung.


Dieser Artikel dient der allgemeinen Finanzbildung und stellt keine individuelle Anlage- oder Finanzberatung dar. Für eine persönliche Beratung wende dich an einen zugelassenen Finanzberater.

Häufige Fragen

Wie oft sind psychische Erkrankungen Ursache für Berufsunfähigkeit?

Rund 30 % aller BU-Leistungsfälle werden in Deutschland aufgrund psychischer Erkrankungen gezahlt — damit sind sie seit Jahren die häufigste Einzelursache, vor Rückenerkrankungen und Krebs. Die Tendenz ist steigend, insbesondere in akademischen Berufen und bei jüngeren Versicherten.

Muss ich Psychotherapie bei der BU angeben?

Ja. Die Gesundheitsfragen umfassen typischerweise 3, 5 oder 10 Jahre zurück und decken Psychotherapie, psychoaktive Medikamente, stationäre Behandlung und Krankschreibungen wegen Burnout oder Anpassungsstörungen ab. Auch kurze oder präventive Therapien sind anzeigepflichtig. Unterlassene Angaben gelten als arglistige Täuschung und können im Leistungsfall zur Verweigerung führen (§ 19 VVG).

Was ist eine anonyme Risikovoranfrage?

Ein Makler reicht deine Gesundheitsangaben anonymisiert bei mehreren Versicherern ein und holt verbindliche Voten zu Annahme, Zuschlag oder Ausschluss ein — ohne dass dein Name in der Versicherer-internen Datenbank HIS (Hinweis- und Informationssystem) landet. Das ist der Standardweg vor einem BU-Antrag, besonders bei psychischen Vorerkrankungen.

Kann ich trotz psychischer Vorerkrankung eine BU abschließen?

Ja, je nach Schwere und Zeitraum. Bei leichten, abgeschlossenen Episoden (z.B. einmalige Kurztherapie vor Jahren) ist oft normaler Abschluss möglich. Bei mittelschweren Fällen kommt häufig ein Ausschluss psychischer Erkrankungen zustande — der BU-Schutz für körperliche Ursachen bleibt bestehen. Bei schweren oder rezidivierenden Fällen droht Ablehnung; dann sind Alternativen wie Grundfähigkeitsversicherung zu prüfen.

Wie wird psychische Berufsunfähigkeit im Leistungsfall nachgewiesen?

Die Versicherung verlangt ärztliche Atteste, Krankenhausberichte und oft ein fachärztliches Gutachten. Der Nachweis einer 50-prozentigen Berufsunfähigkeit ist bei psychischen Diagnosen aufwendiger als bei körperlichen und führt öfter zu Auseinandersetzungen. Gute BU-Tarife verzichten auf abstrakte Verweisung und zahlen bereits bei Berufsunfähigkeit im aktuellen Beruf.

Quellen

  1. BU-Leistungsursachen (Morgen & Morgen BU-Analyse) , Morgen & Morgen GmbH (2024)
  2. § 19 VVG (Anzeigepflicht bei Vertragsschluss) , Bundesministerium der Justiz (2025)
  3. Branchenstatistik Berufsunfähigkeit , Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) (2024)